Jeden Morgen eine gute taz.
Wenn das so einfach wäre ...
Seit es die taz gibt, ist sie gefährdet. Von Anfang an war sie etwas Erstaunliches: bissig, provokativ und rührend, eine gefährdete Art für
sich - mit Artgenossen allerdings. Aber Libération in Frankreich, Il Manifesto in Italien und die WOZ in Zürich haben jeweils ihre eigene
Überlebensform finden müssen, in ihrer Öffentlichkeit, unter ihren Bedingungen. Die taz hat sich, nach gut zehn Jahren Existenz als Verein
(formal im Besitz ihrer Mitarbeiter, aber praktisch ohne Kapital), ihre besondere Form gegeben: Sie hat sich verkauft.
Und zwar an ihre LeserInnen. Sie ist ein Zwitterwesen: Einerseits ist sie eine Zeitung, die sich auf dem Markt behaupten will und muss.
Andererseits beruht ihre Existenz als Genossenschaft auf der Einsicht vieler,
dass in Zeiten der Kapitalkonzentration in der Medienbranche ein
so kleines Unternehmen nicht überlebensfähig ist ohne einen Verleger - ihre GenossInnen.
Eine unabhängige überregionale Zeitung, nicht angeschlossen an einen Konzern, der sie alimentiert, braucht Kapital.
Wenn sie damit sparsam wirtschaftet - und darin ist die taz unangefochten Meisterin aller Klassen -,
kann sie sich doch noch nicht entwickeln.
Sie müsste fortwährend wachsen, um irgendwann eine so große Auflage zu haben, dass sie in nennenswertem Umfang Anzeigen bekommt und so auch ohne Zuschuss leben kann.
Die taz ist die erfolgreichste Zeitungsgründung der Nachkriegszeit in Deutschland, aber sie braucht noch Unterstützung.
Eine Investition in die taz ist nicht das, was man eine vernünftige Geldanlage nennt,
denn die Rendite Ihrer Einlage ist einstweilen nur eine politische.
Allerdings: Angesichts der einstürzenden Neubauten des so genannten New Market und der Fusionen, Krisen, Entlassungen auch
im Bereich der Qualitätszeitungen kann man sich sagen:
wenigstens eine politische Rendite.
Die taz gibt es weiterhin, sie erscheint seit über 20 Jahren täglich, und sie wird getragen von Menschen,
denen die Existenz einer unabhängigen linken Tageszeitung so wichtig ist,
dass sie die (politische) Vernunft über das (wirtschaftliche) Kalkül stellen; die von jenen Prinzipien überzeugt sind, wie
die taz sie im Redaktionsstatut formuliert hat. Bis diese selbstverständlich sind, braucht es die taz. Und damit Sie.
Elke Schmitter, Aufsichtsrätin
|